2-Tages-Workshop

Swarm | Cell | City
Heather Barnett + plan b (Sophia New & Daniel Belasco Rogers)

23. & 24. September 2017 | jeweils 13-17 Uhr
20€/15€ für zwei Tage
(Anmeldung erforderlich)

Der 2-Tages-Workshop versteht sich als partizipatives Experiment zu Kunst, Performance und Biologie, das der Ausstellung Nonhuman Networks vorausgeht. Das Projekt lädt die Teilnehmer ein, die Stadt Berlin durch die Perspektive eines intelligenten einzelligen Organismus zu betrachten, des Schleimpilz Physarum polycephalum, und per GPS tracking.




Der Schleimpilz ist eine leuchtend gelbe Amöbe, die über primitive Intelligenz, Fähigkeiten der Problemlösung und Erinnerung verfügt. Sie kann sehr effizient Netzwerke zwischen Punkten schaffen und wurde bereits weltweit für Transportnetzwerke, Migrationsrouten und Wunschwege eingesetzt. 2010 beispielsweise hat der Schleimpilz das Verkehrsnetz von Tokyo akkurat wiederholt. Auch formal ästhetisch ist der Schleimpilz sehr ansprechend: die sich verzweigenden Muster gleichen denen in der Natur, von Blutadern bis hin zu Baumzweigen, vom Flussdelta bis zu Blitzen. Schleimpilze können von ihrer Umgebung lernen, erinnern sich an bereits erkundete Orte und navigieren sich durch komplexe Territorien - ganz ohne Sinnesorgane und ohne Gehirn.

Der Workshop bedient sich der historischen und gegenwärtigen Topographie Berlins und schlägt eine Reihe von Experimenten und Aktivitäten vor, die kollektive Kommunikationsweisen, Kooperation und Navigationsgrade untersuchen - bei Schleimpilz und Menschen! Die Veranstaltung versteht sich als Erweiterung der Ausstellung Nonhuman Networks bei Art Laboratory Berlin (Vernissage: 29. September 2017), die über Netzwerk-Fähigkeiten einfacher Organismen - Schleimpilze und des Myzeliums - reflektiert.

Diese Organismen bieten sich bestens an, um kollektives Verhalten zu studieren: Wie verbreiten sich Ideen? Wie werden Gruppenentscheidungen getroffen? Wie kooperieren Gemeinschaften? Die Künstler begreifen den Schleimpilz als Modell, um auf menschliche Systeme zu blicken - urbane, soziale und kulturelle. Dabei wird untersucht, wie Menschen miteinander agieren und auf ihr Umfeld reagieren, wie sie Informationen sammeln und verteilen. Wir wollen eine kreative Plattform schaffen, um alternative Möglichkeiten des individuellen und kollektiven Sehens und Verhaltens zu entwickeln.

Prozess
Die Veranstaltung soll Voraussetzungen für kritisches und kreatives Lernen schaffen, ohne die Ergebnisse zu kontrollieren. Indem wir partizipative Künste und performative Praktiken nutzen, um das kreative Potenzial für Bio- und Sozialmodelle zu erforschen, hoffen wir, ein gemeinsames "System der Untersuchung" mit jedem als Co-Schöpfer zu schaffen. Im Rahmen des Workshops werden die Teilnehmer über die Schleimpilz-Intelligenz lernen, anhand mit individuellen GPS-Aufnahmen der gegangenen Wege annotierte Karten erstellen, die Beobachtungen der Stadtforschung erfassen, Experimente zum Wachstum des Schleimpilzes durchführen, eigene Stadterkundungen durchführen und kollektive performative Experimente durchführen.

Die Ursprünge der kreativen Forschung sind unmittelbar verbunden mit selbstorganisierenden Prinzipien natürlicher Phänomene, zum Beispiel bei der Verwendung stigmerischer Prozesse. Stigmergie ist ein Mechanismus der indirekten Koordination, durch die Umwelt, zwischen Agenten oder Aktionen. Das Prinzip ist, dass eine Spur, die in der Umgebung durch eine Aktion zurückgelassen wird, die Leistung einer nachfolgenden Aktion stimuliert. Auf diese Weise verstärken und bauen sich die Aktionen gegenseitig auf, was zur spontanen Entstehung kohärenter, scheinbar systematischer Aktivitäten führt. Ameisen verlassen Pheromon-Signale, Schleimpilze hinterlassen Membranspuren, Termiten lassen Schlammbälle zurück - alle kommunizieren wichtige Informationen über bestimmte Umweltbedingungen. Wir werden diese Prozesse als Grundlage für kreative Improvisation und Kommunikation zwischen Menschen in städtischer Umgebung nutzen.

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Heather Barnett Kunstpraxis beschäftigt sich mit Naturphänomenen, komplexen Systemen und biologischem Design. Die Arbeit mit Lebewesen und bildgebenden Technologien untersucht, wie wir die Welt um uns beobachten, beeinflussen und verstehen. Zu den Projekten zählen mikrobielle Porträts, zelluläre Tapeten, die Tintenfischen-Performances und eine fortlaufende "Zusammenarbeit" mit einem intelligenten Schleimpilz, Physarum polycephalum. Sie unterrichtet das Fach MA Kunst und Wissenschaft an Central Saint Martins (Universität der Künste London) und leitet die London LASER Kunst und Wissenschaft Gespräche.
www.heatherbarnett.co.uk
Heather Barnett: What humans can learn from semi-intelligent slime (TED Talk, Berlin 2014)

plan b ist das Künstlerduo Sophia New und Daniel Belasco Rogers. Seit 2003 (Daniel) und 2007 (Sophia) haben plan b jede tägliche Bewegung mittels GPS-Technologie aufgenommen und gespeichert. Ergebnisse davon sind in Festivals, Galerien und unter http://planbperformance.net
zu sehen. In ihren Performance-Arbeiten erforschen sie Themen wie die Dynamik von Gesprächen, Gesang, Geständnissen und Radfahren. Außerdem arbeiten sie in den Bereichen Installation, Neue Medien, Bildende Kunst und geben Workshops. Seit der Gründung von plan b im Jahr 2002 haben sie mehr als 25 Projekte entwickelt, die in über 27 Städten weltweit zu sehen waren und sind.

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